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Hygiene der beckenangrenzenden Bereiche und Barfußbereiche

Schwimmbad Hygiene
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Vortrag zur Hygiene der beckenangrenzenden Bereiche und Barfußbereiche sowie deren Bedeutung

Von Peter Weis – Hygiene-Institut Schubert (www.hyginst.de)

In Schwimmbädern wird leider der gesamte Barfußbereich oftmals wenig und stiefmütterlich behandelt obwohl gerade in diesem Bereich die mikrobiologischen Aspekte eine besondere Bedeutung inne haben. Die Bedingungen für mikrobielles Wachstum sind nahezu optimal, da es durch ständigen Nährstoffeintrag bei sehr hoher Feuchtigkeit und Temperaturen um die 30° C  keine  inhibierenden Größen gibt. Doch wie kommt es zu solch einer Situation? Jeder Besucher bringt Mikroorganismen mit welche sich natürlicher Weise an auf und in ihm befinden, diese hinterlässt er überall wo er gewesen ist, auch bleiben Hautpartikel, Schweiß etc. an jedweder Kontaktstelle zurück. Durch die mechanische Beanspruchung am Fuß, während des Laufens, werden Hautpartikel inklusive daran haftender Mikroorganismen abgerieben welche sich im feucht-warmen Milleu entsprechend vermehren. Diese mikrobiologische Flora setzt sich aus sämtlichen auch infektiologisch bedeutsamen Mikroorganismen zusammen sprich also Bakterien, Pilze, Viren sowie den Einzellern den Protozoen.

Es lässt sich also feststellen, dass eine Infektionsübertragung möglich ist. Als Konsequenz erfolgt ergo die Aufnahme bzw. Erstellung eines Hygieneplanes wie er im IfSG § 36 gefordert ist und auf Länderebene konkretisiert wird. Das UBA hat in seiner Publikation „Hygieneanforderungen an Bäder und deren Überwachung“ unter dem Punkt 3.1 sich auch mit der Thematik Barfußbereich beschäftigt und die Kontrolle dessen in die Verantwortung des Gesundheitsamtes gegeben. Ferner verweist das UBA auf die Empfehlung „Reinigung, Desinfektion und Hygiene in Bädern“ R 94.04 der DGfdB (Deutsche Gesellschaft für das Badewesen e. V.) in der eine mikrobiologische Kontrolle empfohlen wird. Um einen effektiven Reinigungs- und Desinfektionsplan zu erarbeiten und auch eine eventuelle Keimreduktion durch den standardmäßig verwandten Reiniger zu prüfen ist eine solche Kontrolle absolut notwendig.

Welche Desinfektionsmittel sollten eingesetzt werden?

Aus meiner Sicht ist die Keimreduktion der Reiniger meist nicht ausreichend und die Desinfektionsintervalle zu grob als das ein sicherer Schutz gegenüber den Besuchern gegeben ist. Die Wirkungsbereiche der zur Anwendung kommenden Desinfektionsmittel sind zu Prüfen. Bei vielen Produkten ist keine volle viruzidie gegeben die aber hier notwendig ist weil ein nicht unerhebliches Risiko der Infektion durch unbehüllte Viren wie den Papillomviren (Warzenviren) vorhanden ist. Gerade an den Stellen in denen auf Barfußbereichen gesessen wird muss daran gedacht werden, dass Mikroorganismen von den Füßen transportiert, abgegeben und in den Genitalbereich übersiedeln können. Auch in diesem Punkt sind die Papillomviren(HPV) wieder besonders zu berücksichtigen. Diese Viren werden mit Krebs insbesondere Gebärmutterhalskrebs in Verbindung gebracht.

In der Regel sind viruziede Desinfektionsmittel auch gegenüber Pilzen und Bakterien wirksam. Um die Flächen in einem optisch ansprechendem Zustand zu halten werden auch mehrfach während des Badebetriebes gereinigt. In diesem Zusammenhang wäre eine gleichzeitige Desinfektion durchaus möglich unter Beachtung der Reinhaltung der Flotte und dem Effekt der Verdünnung durch auf der Fläche stehendem Wasser. Bei der Produktauswahl sollte dann auch berücksichtigt werden, dass es sich um ein Mittel handelt welches keine Hautreizungen verursacht da der Besucher damit in Kontakt kommt. Wasserstoffperoxid kann als ein Wirkstoff angesehen werden der in diesem Anwendungsbereich zu empfehlen wäre da es ein sehr breites Wirkungsspektrum aufweist und bereits eine gute Wirkung in ungefährlichen, nicht reizenden Dosen entfaltet.

Da auch die Toiletten barfüßig benutzt werden und einer entsprechenden Frequentierung unterliegen müssen auch diese in einem hygienisch einwandfreiem Zustand verbleiben. Eventuelle Kontaminationen werden im gesamten Bäderbereich verschleppt bis hinein in das Beckenwasser was letztendlich zu einer erhöhten Belastung des selbigen führen kann. Eine lediglich tägliche Reinigung ist daher als nicht ausreichend zu betrachten und eine regelmäßige Sichtkontrolle während des Betriebes erfahrungsgemäß unumgänglich. Selbiges Kontrollregime gilt auch für die Duschen und Umkleideräume auch weil diese ein Aushängeschild der Einrichtung sind und der Kunde Verunreinigung zu recht nicht toleriert. Ein Nebeneffekt einer ordentlichen, sauberen und gepflegten Anlage ist auch der, dass die Hemmschwelle der mutwilligen Zerstörung und Verunreinigung höher ist.

Fazit

Konstatierend muss gesagt werden, dass gerade im Schwimmbad eine ganzheitliche Betrachtungsweise des Objektes erfolgen muss und nicht einzelne Bereiche für sich. In kaum einem anderen Objekt sind diese enger mit einander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig obgleich deren Nutzung derart verschieden ist. Bäder sind aus meiner Sicht wie ein  komplexer Organismus zu verstehen vom Eingangsbereich über RLT zu Sanitärbereich und Küche bis in die Aufbereitung des Beckenwassers. Die einschlägigen Normen und Empfehlungen welche die a.a.R.d.T. widerspiegeln müssen gerade hier kritisch berücksichtigt und sinnvoll kombiniert werden. Ein Fachkundiger wie ein Desinfektor kann in diesen Objekten viel für die Verbesserung der Qualität und der Erhöhung des hygienischen Sicherheitsniveaus beitragen. Er ist in der Lage die geltenden Vorgaben und Normen zu verbinden, vom IfSG §§ 1, 33, 36, 37 etc., Trinkwasserverordnung über VDI 6022, die DVGW 6023, der DIN 19643, der Richtlinie DGfdB R 94.04, der UBA Empfehlungen und auch BGR/GUV-R 108 um nur einige zu nennen.

 

 

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