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“Meine Erfahrung aus einem renommierten Krankenhaus” – Ein qualifizierter Kommentar

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Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

Herr Weis bat mich vor Kurzem, meine persönlichen Erfahrungen aus einem großen renommierten Krankenhaus niederzuschreiben. Meine Tochter unterzieht sich gerade einer Chemotherapie und ich als Desinfektor sehe dort jeden Tag Dinge, die ich nicht sehen möchte. Es vergeht kein Aufenthalt, an dem ich nicht mindestens ein bis zwei Fehler kommentiere oder zu verbessern versuche. In meiner Verzweiflung bot ich sogar an, die Zimmer umsonst zu reinigen, um den Pfusch/Kontaminationsmöglichkeiten zu minimieren. Dies wurde mir jedoch mit dem Hinweis auf interne Vorschriften (z.B. Hygieneplan) untersagt.

Als ich einen unserer Kollegen bei der Arbeit gesehen habe, wurde mir klar, dass ich mich an die falschen Personen gewandt habe. Nicht die Ärzte, nicht die Schwestern oder die Fachkräfte aller Art sind das Problem, sondern die Desinfektoren.

Am Ende dieser Zeilen finden Sie ein paar Bilder, die den meisten wahrscheinlich allzu vertraut sind, da sie zum alltäglichen Arbeitsbild des Desinfektors gehören.

Genau in dieser Alltäglichkeit liegt das Problem. Der von mir beobachtete Desinfektor sah seinen „Gegner“ nicht mehr oder hat vor ihm kapituliert. Mir als Betroffenem, als Vater einer kleinen Tochter, die auf ein sauberes Umfeld angewiesen ist, ist es ein Anliegen, dass Sie Ihr Gewissen wiederfinden und die Reinigung/Schulung so vornehmen, dass Sie im Rahmen Ihrer Möglichkeiten alles Notwendige getan haben. Es sollte unser Berufsethos sein, dass am Schluss einer Maßnahme der kontaminierte Bereich desinfiziert ist und wir dadurch ein sicheres Gefühl an unser Umfeld (in aller Regel die Patienten) vermitteln.

Den Desinfektor, den ich bei der Arbeit beobachten musste, tat dies definitiv nicht. Folgende Fehler musste ich bei einer Maßnahme von außen beobachten:

•           Keine oder falsche PSA (z.B. Reinigung mit Untersuchungshandschuhe)

•           „Pfusch-Wischverfahren“ (Temperatur, Eiweißfehler etc.)

•           Bei 35°C Innentemperatur, wurde das Zimmer nach 10 Minuten wieder freigegeben, obwohl die Putzfrau zweimal nachfragte, ob dies nicht zu früh sei

•           Falsche Händedesinfektion (die Daumen wurden vergessen, aber die Unterarme waren super desinfiziert)

Das von ihm gereinigte Zimmer wird auch für Transplantationspatienten verwendet, da aus Mitarbeitermangel zwei Stationen zusammengelegt werden mussten.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wenn Sie Ihre Arbeit erledigen, fragen Sie sich bitte: Möchte ich hier meine Angehörigen versorgt wissen? Ist die von mir erledigte Arbeit mit den zur Verfügung gestellten Materialen so vollzogen worden, dass ich den „Feind“ eliminiert/ zumindest effektiv reduziert habe und mit gutem Gewissen meine Unterschrift unter das Protokoll setzen kann?

Wir Desinfektoren setzen den Standard. Wir legen die Messlatte hoch, damit die anderen Mitarbeiter auf den Stationen zum Zweifeln gebracht werden. Hygieneplan hin oder her, wir sind es, die eines Tages zur Verantwortung gezogen werden könnten.

Diejenigen, die jetzt innerlich abwinken und denen die soziale Verantwortung zu viel erscheint, möchte ich darauf hinweisen: Auch sie werden älter und sind irgendwann auf ein sauberes, nicht ansteckendes Umfeld angewiesen.

Die Standards die wir heute setzen, werden uns morgen verfolgen!

Freundlichst Ihr Christian Pladwig

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