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Nitril Handschuhe werden oft zu häufig gewechselt

Nitril Handschuhe
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Nitril-Handschuhe in der Krankenhausreinigung werden oft zu häufig gewechselt

 

Von G. Friedemann Schubert – Dazu mehr Infos unter Hyginst.de

 

Entgegen den Literaturvorgaben, der geforderten Risikoanalyse und jeder Logik werden in verschiedenen Pflege- und Behandlungseinrichtungen die Nitril-Handschuhe pro Zimmer und ggf. sogar zusätzlich im Zimmer vor und nach der Aufbereitung der Nasszelle gewechselt.

Das ist völlig unnötig. Ausnahmen stellen laut RKI z.B. Infektionszimmer dar. Unabhängig vom Aufbereitungsverfahren kommen die Nitril-Handschuhe mit der Flächendesinfektionsflotte in Kontakt. Sie werden so bei jeder Tuchentnahme und Anwendung selbst einer Scheuer-Wischdesinfektion unterzogen.

Sind sie nicht sichtbar kontaminiert, dann ist davon auszugehen, dass die glatten Handschuhflächen ständig „mitdesinfiziert“ werden. Eine Verkeimung der Flotte, in die man sie eintaucht, findet nicht statt – die richtige Anwendung vorausgesetzt. Das gilt auch für vorgetränkte Wischtücher. Die sich ggf. auf dem Handschuh befindlichen Mikroben werden sicher mit desinfiziert. Die Handschuhe müssen also nicht pro Zimmer abgeworfen oder nachmals mit einem Händedesinfektionsmittel „überdesinfiziert“ werden.

Die Maßnahme entbehrt, nach Rücksprache mit betroffenen Hygienikern, jeglicher Evidenz oder sonstiger verwertbarer Grundlage.

Eine RKI-konforme Reinigung und Desinfektion lässt sich bei angemessenem Handschuhtausch pro Jahr und Station über 2000 € günstiger realisieren.

Eine überschlagende Darstellung des Aufwands für nur eine Station und Jahr mit fiktiven Zahlen zeigt die hierbei sinnlos entstehenden Kosten.

Legt man die folgenden Zahlen zugrunde, so lassen sich pro Jahr, die Logistik und Entsorgungskosten noch gar nicht mit einberechnet,  408,80 € für Handschuhe und 76,65 € für Händedesinfektionsmittel sparen. Besonders hoch sind die unnötigen Personalkosten von mindestens 4,25 pro Tag also 1551,25 € im Jahr.

Grundlage der Modellrechnung sind 10 Patientenzimmer und 10 Funktionsräume, wie sie auf einer Station vorkommen. Das bedeutet bei einem Handschuhwechsel pro Zimmer 20 Paar Handschuhe am Tag. Eine Packung enthält 100 Handschuhe zum Preis von 4 Euro plus MwSt. Die Packung wiegt ca. 500 g.

Pro Station werden bei einem Wechsel pro Raum am Tag 20 Paar, also 40 Handschuhe zum Preis von zusammen ca. 1,60 Euro benötigt. Pro Jahr also 584 €.

Würde man die Handschuhe, gemäß dem tatsächlichen Bedarf,  nur einmal pro Stunde und ggf. bei Infektionszimmern und sichtbarer Kontamination wechseln, so werden im Durchschnitt sicherlich 6 Wechsel, also 12 Handschuhe genügen.  Die Kosten sinken auf ca. 48 Cent pro Tag.

Die Einsparung pro Station summiert sich im Jahr auf ca. 408,80 €. Die Entsorgung von 10220 Handschuhen mit einem Entsorgungsgewicht von ca. 10 kg im Jahr kommt hinzu.

Dazu kommen die Kosten für Händedesinfektionsmittel, sie machen selbst mit Rabatt für Großverbraucher  5 € pro Liter aus. Ein Liter reicht für ca. 335 Händedesinfektionen, eine Händedesinfektion kostet also 0,015 €.  Pro Arbeitstag lassen sich bei 6-maligem Handschuhwechsel 14 hygienische Händedesinfektionen einsparen. Wie beschrieben erfolgt die Desinfektion der Schutzhandschuhe schon durch den Kontakt der Handschuhe mit den desinfektionsmittelgetränkten Tüchern.

Im Jahr werden Händedesinfektionsmittel (14 x 365 x 0,015 €)  im Wert von ca. 76,65 € pro Station eingespart.

Die Zeiteinsparung für die Reinigungskraft bei 14-maligem Wechsel der Handschuhe mit vorgeschriebener hygienischer Händedesinfektion beträgt ca. 15 Minuten pro Tag. Bei einem Stundenverrechnungssatz von 17 € sind das 4,25 € pro Tag, also 1551,25 € im Jahr.

Resümee

Natürlich ist es besser, einmal mehr als einmal weniger sowie sicher zu desinfizieren. Bei der Desinfektion dürfen schließlich keine Mikroben übertragen werden.

Hygieniker sollten maßvoll die notwendigen Hygienemaßnahmen fordern. Leider scheinen einige das richtige Maß überschritten zu haben. Bei der Risikoanalyse scheint man übersehen zu haben, dass Reinigungskräfte keinen direkten Kontakt zum Patienten haben.

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