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Urlaubsreisen in Zeiten einer Pandemie

Urlaubsreisen in Zeiten einer Pandemie
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Urlaubsreisen in Zeiten einer Pandemie

Zweifelsfrei ist die Corona-Pandemie ein historisch und wirtschaftlich einschneidendes Ereignis. Als Desinfektor ist es trotz aller täglicher Detailarbeit wichtig, den Blick auch auf vergangene Ereignisse zu richten. Dies kann hilfreich sein, um potentielle Infektionsquellen auszumachen und aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Historisch betrachtet ist die Sorge von Ärzten und Wissenschaftlern belegt, dass eine erhöhte Mobilität der Bevölkerung die Verbreitung von Infektionen fördert.1

Zunächst soll der Blick auf vergangene Pandemien beispielsweise die Pest oder die Cholera gelenkt werden, um anschließend auf eigeninitiierte Maßnahmen im Urlaub einzugehen.

Historisch betrachtet wurden verschiedene Seuchen als Pest oder Pestillenz (aus dem lateinischen von pestis oder pestilentia hergeleitet) bezeichnet. Die Pest im heutigen Sinne wird durch Yersinia pestis hervorgerufen. Sinnbildlich wird aber auch heute noch der Begriff Pest für eine schwere Seuche landläufig verwendet. Die Pest, als wiederkehrende Erkrankung oder Beschreibung von Symptomen wurden laut E. Isenmann durch heiße Sommer und milde Winter begünstigt2. Ein klimatischer Zustand der aktuell wieder auf europäische Breiten zutrifft und Anlass zur Wachsamkeit bietet.

Bereits im römischen Reich wurden bei Epidemien Gegenmaßnahmen ergriffenen. Die sind auch heute wieder aktuell und werden diskutiert. Über die Jahrhunderte haben sich diese Maßnahmen nicht wesentlich geändert, da sie einfach und einfach effektiv sind. Aktuelle bekannte Beispiele sind:3

  • 14-tägige Isolation/Quarantäne
  • Verbot von Krankenbesuchen
  • Verbot von Versammlungen

Soziales Verhalten wurde damals, ähnlich wie heute, durch Schreckensbilder, Massengräber und die Hilflosigkeit von Behörden beeinflusst.4

Die Autoren sind jedoch der Meinung, dass die aktuelle Pandemie, historisch betrachtet, erstmals die entscheidenden Errungenschaften der letzten Jahrhunderte offenbart. Die Erkenntnisse in der Mikrobiologie und Wissenschaft, können von jeder einzelnen Person genutzt werden, um einen erhöhten Selbstschutz gegenüber des SARS-CoV-2 Virus zu erreichen. Immer neue Erkenntnisse der Forschenden bieten der Allgemeinheit oftmals leicht im Alltag umzusetzende Lösungen.

Als Urlaubsgast gibt es aus Sicht der Autoren zwei Bereiche die aus Sicht eines Desinfektors beachtenswert sind, um die Verbreitung des SARS-CoV-2 Virus zu hemmen und die Gesundheit aller Urlauber sicherzustellen.

  1. der Zustand der Wasserversorgung und
  2. Kontaminationsrisiken über Fomiten (unbelebte Objekte wie Wasserhähne, Handys etc.) und Vektoren (lebende Objekte, z. Bsp. der Mensch).

Zustand der Wasserversorgung und mögliche Maßnahmen zum Selbstschutz

Durch die Lockdown-Maßnahmen wurde eine Vielzahl der Trinkwasserinstallationen nicht bestimmungsgemäß genutzt und betrieben. Folglich stand das Wasser über einen Zeitraum von mehreren Wochen in den Leitungssystemen. Dies bedingt ein mirkrobielles Wachstum in den genannten Leitungen.

In der Fachwelt wird dieses Problem bereits seit Wochen diskutiert und einige Hinweis-, Merkblätter und Handlungsempfehlungen dazu veröffentlicht. Im Merkblatt der FH Münster konstatieren die Verfasser folgendes:

„Es besteht die ernst zu nehmende Gefahr folgenschwerer epidemischer Ausbrüche der Legionärskrankheit nach oder während der „Lockdown“ Regelungen, wenn keine sorgfältigen Präventiv-Maßnahmen ergriffen werden. Diese Gefahr wird international auch von Medizinischen Fachgesellschaften als hoch angesehen.“5

Jedoch nicht nur die Legionellen werden durch diese Situation in ihrem Wachstum gefördert, sondern auch andere im Wasser und Leitungssystem befindliche Mikroorganismen, wie beispielsweise Pseudomonas aeruginosa. Letzterer ist für eine Vielzahl der MRGN-Infektionen verantwortlich. In Deutschland sowie in Großbritannien gibt es ein umfangreiches Regelwerk zur Planung, zum Betrieb und zur Nutzung von Trinkwasserinstallationen. Das deutsche Regelwerk umfasst neben den rechtlichen Vorgaben auf Infektionsschutzgesetz und Trinkwasserverordnung auch die Richtlinien und Merkblätter des Umweltbundesamtes sowie die normativen Schriften der DIN und der DVGW.

Die Sicherstellung des bestimmungsgemäßen Betriebs der Trinkwasserinstallation steht in diesen Regelwerken im Vordergrund. Ebenso ist dort klar definiert, wie diese Installationen außer Betrieb genommen werden müssen und welche Wiederinbetriebnahme-Maßnahmen in Abhängigkeit der Dauer des Stillstandes zu ergreifen sind. Der Betreiber der Installation hat die Pflicht, den Nutzern die Information über die Qualität des Wassers, der Aufbereitung und des Zustandes des Wassers mitzuteilen (§21 TrinkWV). Ungeachtet der, durch den Unternehmer oder sonstigen Inhaber einer Trinkwasserinstallation, getroffenen Maßnahmen sollte jeder Nutzer das Wasser an den Entnahmestellen (Wasserhähne) nach einem Stillstand von 4 Stunden solange laufen lassen, bis das Wasser eine konstante Temperatur erreicht hat. Dabei ist zu berücksichtigen und darauf zu achten, dass das Kaltwasser kalt und das Warmwasser heiß ist. Wenn Sie nun Ihren lang ersehnten Urlaub antreten und Ihr Feriendomizil beziehen, informieren Sie sich zunächst über die dort getroffenen Maßnahmen und lassen Sie alle Entnahmestellen entsprechend laufen. Bitte vergessen Sie auch nicht die Dusche dabei mit einzubeziehen.

Gerade im Ausland empfehlen die Verfasser immer, also unabhängig von einer bestehenden Pandemie, die oben genannten Maßnahmen durchzuführen, denn in vielen Urlaubsländern existieren keine derart weitreichenden Gesetzesvorgaben wie in Deutschland oder es fehlt an ausreichender Kontrolle oder Umsetzung.

Noch ein beruhigender Aspekt am Rande: Anders als bei der Cholera im 19. Jahrhundert wütete, ist gemäß der derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisse eine Übertragung des SARS-CoV-2 über das Medium Wasser unwahrscheinlich.

Kontaminationsrisiken über Fomiten und Vektoren

Grundsätzlich ist der SARS-COV-2 Virus ein Erreger, der überwiegend per Tröpfchen und/oder Aerosole übertragen wird (Husten, Niesen, Schnupfen etc.)6 und speziell über Mund-/Nasenschleimhäute und Augen in den Wirt gelangt. Fomiten, die eine Kontamination (z. B. durch den SARS-COV-2 Virus) begünstigen – werden zuerst betrachtet.

Wenn der Gastgeber oder der Gast nun, neben den allgemein üblichen Hygienevorschriften, weitere Desinfektionsmaßnahmen ergreifen wollen, so erscheinen folgende Maßnahmen als sinnvoll:

Bei einem schnellen Gastwechsel (innerhalb eines Tages), können Kopfkissen nicht einfach, sondern doppelt bezogen werden.

Bei guter Grundhygiene kann im Allgemeinen auf eine Flächendesinfektion verzichtet werden. Eine situativ angepasste Reinigung und Desinfektion (durch Fachkräfte) ist jedoch sinnvoll, wenn ein Gast an einer asymptomatischen Infektion leidet oder litt. Objekte aus der unmittelbaren Umgebungen des Gastes sind hier von größerer Bedeutung und besonders zu berücksichtigen7. Dies umfasst besonders Flächen mit häufigem Hand- und/oder Hautkontakt wie z. B. Fernbedienungen, Telefone, Wasserarmaturen, Griffe etc.

Flächen und Gegenstände, welche nicht in unmittelbarer Nähe zu finden sind, wie beispielsweise Regale, Schränke o. Ä. können vernachlässigt werden.

Eine höhere Übertragungswahrscheinlichkeit des SARS-COV-2 Virus, stellen jedoch Vektoren (lebende Objekte hier insbesondere der Mensch) dar. Zusätzlich zu den aktuell gültigen Anweisungen der Gesundheitsbehörde an Ihrem Urlaubsort, sollten Sie eigene Regeln aufstellen und befolgen. Beispiele hierfür sind das dauerhafte Lüften von Eingangs- und Gastronomiebereichen, sowie das Steuern der Gästeströme durch die verbindliche Tischreservierungen.

Aus Sicht der Autoren ist es sinnvoll und höflich, eine Behelfsmaske oder nach Verfügbarkeit anderen Mundschutz zu tragen. Bitte vergessen nicht vor und nach jeder Verwendung einer Maske die Hände zu desinfizieren und die Maske aufzubereiten (waschen, trocknen, etc.). Ein respektvoller Mindestabstand ist bei einem Atemwegsvirus immer sinnvoll und wird sicherlich aktuell überall in der Welt akzeptiert, sofern Sie ihn einfordern.

Wenn Sie ein Desinfektionsmittel mitführen und nutzen, ihren Mund-Nasen-Bereich bedecken, einen Sicherheitsabstand zu anderen Menschen einhalten und Sie sowie Ihr Umfeld regelmäßig die Händehygiene beachten, sollte selbst während einer COVID 19 -Pandemie einem Urlaubserlebnis nichts im Wege stehen.

Es darf bitte nicht vergessen werden, dass es sich um eine gesellschaftliche Gemeinschaftsaufgabe handelt, diese Situation im Griff zu behalten und eine großräumige, globale Reduzierung der Ansteckungsraten zu erzielen.
Als positiver Ausblick sei anzumerken: Nach jeder „Pestwelle“ erlebte die Wirtschaft eine starke Erholungsphase und bei Hochzeiten und Geburten wurden Anstiege verzeichnet.8

Ein Vielzahl der aktuellen Empfehlungen leiten sich aus bereits bestehenden RKI-Richtlinien ab. Der EFfD sowie die Verfasser geben gerne Auskunft, wie eine Adaption an die jeweils speziellen Gegebenheiten vor Ort erfolgen kann.

Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Urlaub.

Ihr EffD, Peter Weis und Christian Pladwig

Quellen:

1 Eberhard Isenmann: Die deutsche Stadt im Mittelalter, S.81
2 s.o.
3 Eberhard Isenmann: Die deutsche Stadt im Mittelalter, S.83
4 s.o.
5 Merkblatt „Maßnahmen zum Erhalt einer hygienisch-gesundheitlich sicheren Trinkwasserqualität in Gebäuden während der COVID-19-Pandemie“, FH Münster Michael
6 T. Madigon u.A: Brock Mikrobiologie, S.1414
7 Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention, Abschnitt C 2.1, S.1 ff
8 Eberhard Isenmann: Die deutsche Stadt im Mittelalter, S.85

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